20.02.2010
Architektur x Design = synergetischer Fortschritt
Herr Präsident Manfredini, wie ist es eigentlich möglich, in unserem Zeitalter der Globalisierung sich immer wieder als Trendsetter für Technologie plus Design und zugleich Exportriese in der Welt zu beweisen?
So etwas fällt keinem in den Schoß. Harte Arbeit, kreatives Denken und einfallsreiches Handeln muss einem schon Spaß machen, und alles muss unerschrocken angepackt werden.
Was sind die wohl wichtigsten Signale, die von der Cersaie 2009 gehen? Optimales Zusammenwirken von Architektur und Design, egal ob futuristischer Neubau, sanierungsbedürftiges Althaus oder denkmalwürdige Bausubstanz – jede Gebäudeart erhebt Anspruch auf technisch und stilistisch zueinanderpassend geflieste Flächen. Das war noch nie so marktscheidend wie heute. Eine gekonnte Synthese aller Aspekte bringt Synergie und führt damit zu höherer Qualität und mehr geschäftlichem Erfolg.
Die keramische Industrie fokussiert also flexiblere Anpassung an die Funktion der Gebäude und Ausgestaltung ihrer keramischen Böden und Wände? Ganz klar ja. Wir betrachten das als einen natürlichen Prozess, diese konsequente Weiterentwicklung italienischer Boden-, Wand- und Sanitärkeramik bis hin zur Badausstattung. Die Fliesen werden immer stärker zum unverzichtbaren Teil fast jedes architektonischen Projektes. Und genau dafür haben wir geeignete Materialien, Formen, Formate, Farben, Dekore weiterentwickelt, um öffentliche, gewerbliche, private Baulichkeiten zu optimieren. Die Verwendung italienischer Fliesen an repräsentativsten Bauten fast weltweit beweist, dass unsere Keramik den Anspruch auf Exzellenz in der Qualität erfüllt.
Leidet Italien noch unter der Wirtschaftskrise?
Unsere gegenwärtige konjunkturelle Situation ist keine Krise der italienischen Keramikindustrie, sondern eine Folge von finanziellen Problemen in praktisch allen wirtschaftlich bedeutenden Ländern der Welt, übrigens ausgehend von Fehleinschätzungen in der Immobilienbranche.
Wie stark hat sich dadurch der Absatz der italienischen Fliesenindustrie vermindert?
Gegenwärtig liegt unser Branchenumsatz ungefähr 20 Prozent niedriger als im Herbst 2008. Aber diese Rücknahme der Produktion hat nicht zu einer Verringerung innovativer Investitionen geführt. Und auch die Suche nach neuen Märkten ist verstärkt worden.
Dann sind Sie also eher optimistisch für die Zukunft?
Wir freuen uns über alle positiven Signale der Weltwirtschaft. Aber das Gleichgewicht zwischen Fliesenproduktion und tatsächlich verkauften Absatzmengen und -preisen müssen wir genau im Auge behalten. Italiens Situation ist da wesentlich besser als bei vielen ausländischen Mitbewerbern. Wir sind nach wie vor erfindungsreicher und wagemutiger bei Innovationen als die meisten anderen Länder.
Und welche Hoffnungen verbinden Sie mit der diesjährigen Cersaie?
Ich hoffe, dass großes Interesse bei den Besuchern und konkrete Wünsche geweckt wird. Der Informationstransfer dürfte sich demnächst auszahlen, sodass schon bald spürbare Beschäftigungseffekte in unseren Betrieben verzeichnet werden.
( Redaktion: Dr. Friedrich- Karl Läge)

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