Ein Großteil des Neubaus liegt am Hang. Ziel der Architekten war aber, den Anteil an natürlicher Belichtung so hoch wie möglich zu erhalten. Eine Herausforderung, die mit einem ausgeklügelten System von Oberlichtern, Lichtschächten und Spiegeln gelöst werden konnte: Die Lobby der Wellness-Lounge, die der Besucher über den Kuppelbau betritt, liegt noch auf ebenerdigem Niveau. Eine großflächige Glasfront mit vorgelagerter Sonnenterrasse sorgt für hohen Einfall von Tageslicht und einen fließenden Übergang zwischen den inneren und äußeren Ruhebereichen. Jeder Behandlungsraum wird über ein raumhohes Fensterelement hin zu einem Lichtschacht natürlich belichtet und belüftet. Ein dem Fenster gegenüberliegender Spiegel im Schacht sorgt für optische Tiefe und zusätzliche Lichtreflexion. Damit zu jeder Tages- und Nachtzeit eine ähnliche Lichtsituation entsteht, sind im Bereich des Lichtschachtes die abgehängten Decken erhöht und werden bei Nacht indirekt beleuchtet. Weitere Lichtakzente setzen die dezent hinterleuchteten Einschnitte in den Holzeinbauten, die Regalflächen und einen Waschplatz beinhalten: Reflektiert von der Umrahmung aus rötlichem Kirschbaumholz fällt warmes Licht auf die klassischen Linien von „Darling“. Der Waschtisch mit dem Kreis-in-Kreis-Design bietet große Ablageflächen an den Seiten, die zugeschnitten wurden und so exakt in die hölzernen Einbauten eingepasst werden konnten. Da die Gäste den Großteil der Behandlungen im Liegen erfahren, wurden die Decken entsprechend gestaltet. Störende Details sollten hier entfallen, deshalb erfolgt die Luftansaugung über eine umlaufende Schattenfuge der abgehängten Decke. Belüftet werden die Räume über den Lichtschacht.
objekt
20.02.2010
Fürstlicher Badgenuss

Seit nunmehr 130 Jahren ist das Friedrichsbad Ziel von Heil- und Erholungssuchenden auf dem historischen Boden. Ergänzt wird das Angebot seit einigen Jahren durch die moderne Caracalla-Therme in unmittelbarer Nähe, die u. a. eine große Badelandschaft, ein Aromadampfbad und eine Felsengrotte bietet. Anfang Juli wurde hier die neue Wellness-Lounge eröffnet. Das mit dem Ausbau beauftragte Büro Kruse Architekten hat eine stilvoll warme Atmosphäre geschaffen, in der Wellness auch zum optischen Vergnügen wird. Zentrales Element des Thermenbereiches ist der teilweise an den Hang angrenzende Kuppelbau, in dem sich die Badelandschaft befindet. Von hier aus wird auch die neue Wellness-Lounge erschlossen. Ein Entwurfsgrundgedanke des mit internationalen Preisen ausgezeichneten Büros Kruse Architekten war der gestalterische Bezug zu den bestehenden Bauten und zur Bädergeschichte des Orts. So wurde der Anbau radial vom Mittelpunkt der Kuppelhalle aus entwickelt. Strahlen gleich finden sich diese Radien in den neuen Räumen in Wandlinien, Decken und Bodenspiegeln wieder. Zugleich verwendeten die Architekten auch denselben türkischen Marmor als Bodenbelag, der in der Caracalla-Therme verlegt ist. Der Übergang zwischen Bestand und Neubau verläuft fließend und kaum wahrnehmbar. Bestimmend sind in der Wellness-Lounge warme Rottöne. Als Grundfarbe wählten Kruse Architekten ein klassisches Eisenoxidrot, das sich in verschiedenen, mit Wischtechnik bearbeiteten Wand- und Deckenflächen findet oder in unterschiedlichen Abstufungen als Fliesenmosaik in Sanitärräumen. Ergänzend wurde das rötliche Holz der amerikanischen Kirsche für die Holzeinbauten in den verschiedenen Räumen verwendet.


War Wellness zu Beginn ein rein individueller Genuss, dem man sich als Einzelperson widmete, besteht nun gerade bei Paaren eine immer größere Nachfrage nach dem gemeinsamen Erlebnis von Entspannung. Diesem Trend entsprechend bietet die neue Wellness-Lounge rund um den kleinen Lichthof am Ende des Rundgangs Behandlungsräume, die für zwei Personen ausgelegt sind. Hier ziehen die freistehenden „Starck-Tonnen“ den Blick auf sich. Sie verbinden Funktion und Dekoration. Der Designer Philippe Starck entwarf einen runden Waschtisch mit einem konusförmigen Unterbau. Passend zu den übrigen Möbeleinbauten wurde der Unterbau in einem Birnbaumton ausgeführt.
Als regelrechter Badetempel ist das sogenannte Luxusbad für zwei Personen gestaltet: Der Raum hat die Form eines Viertelkreises, den man über die Spitze betritt. Auf der Mittelachse, im Zentrum der Aufmerksamkeit, steht vor der gerundeten Wand ein Podest aus türkischem Marmor, in das zwei Paiova-Eckwannen eingelassen sind. Seite an Seite ergeben die beiden Wannen eine Trapezform, die genau die radiale Ausrichtung des Raumes aufnimmt. Paiova wurde von der Designgruppe EOOS ursprünglich für paarweises Baden entwickelt. Mit breitem Kopf und schmälerem Fußteil bietet sie bei kompakter Größe komfortablen Platz für zwei. Da aber auch Paare sehr unterschiedliche Anforderungen haben können, wählten die Architekten für das Luxusbad zweimal die Einzelversion in kleinerer Ausführung.
PROJEKTDATEN
Bauherr BKV-Bäder- und Kurverwaltung Baden-Württemberg, Anstalt des öffentlichen Rechts, Baden-Baden, vertreten durch Vermögen und Bau B-W, Amt Pforzheim, Rastatt/B.-Baden
Betreiber Carasana Bäderbetriebe GmbH
Architekten Architekturbüro Karl-Heinz Leppert
Rohbau Baden
Raumbildender Kruse Architekten
Eingesetzte Produkte von Duravit
Möbelwaschtisch Darling, geschnitten, Farbe Weiß; Design: Dieter Sieger
Möbelwaschtisch Starck 1, Farbe Weiß, Waschtischunterbau stehend Starck 1, Farbe Birnbaum; Design: Philippe Starck
Badewannen Paiova mit Whirlsystem, Farbe Weiß, 170 x 100 cm, Ausführung Ecke links und Ausführung Ecke rechts; Design: EOOS
Deckenleuchten e-light;
Design: Andreas Struppler
Wand-WC 2nd floor, Farbe Weiß;
Design: Sieger Design

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