Energiegewinnung
20.02.2010
Energie aus Müll
Die EVN AG ist sehr engagiert auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien. Das zeigt sich u. a. auch an der Müllverbrennungsanlage Zwentendorf-Dürnrohr (nicht zu verwechseln mit dem in derselben Gemeinde gelegenen, zum Fotovoltaik-Kraftwerk umgebauten AKW). Müll ist ein quasi-regenerativer Energieträger. Seine thermische Verwertung passt in das ehrgeizige Konzept des Landes Niederösterreich, bis 2020 seinen Energiebedarf zu 50 Prozent aus Erneuerbaren zu decken.
Die EVN Abfallverwertung Niederösterreich GmbH ist eine 100-prozentige Tochter der EVN AG und betreibt seit 2004 mit der Anlage Dürnrohr eine der modernsten Müllverwertungsanlagen in Europa. Hausrest-, Sperr- und Gewerbemüll werden zur Gewinnung von Strom und Fernwärme verfeuert. Seit 2004 beträgt der jährliche Durchsatz an Müll mehr als 300.000 Tonnen. Doch damit gab man sich noch nicht zufrieden. Im Juli 2007 wurde damit begonnen, die Anlage um eine dritte Linie zu erweitern. Nach zwei Jahren Bauzeit und abschließenden Überprüfungen sowie einem Probebetrieb 2009 wird diese dritte Linie nunmehr 2010 eröffnet. Damit wird die bisherige Leistung des Kraft-Wärme-Werks von 120 MW auf 210 MW angehoben; der Jahresdurchsatz an Müll steigt auf 500.000 Tonnen. 100.000 Tonnen Kohle und zehn Mio. m³ Erdgas werden durch den Müll substituiert. Damit wird außerdem die Schadstoffbilanz wesentlich verbessert, weil die Belastung der Luft mit Schadstoffen in Summe deutlich niedriger ist als bei fossilen Brennstoffen. Äußerlich betrachtet, ist das Kraft-Wärme-Werk durch den Zubau der dritten Linie sowie durch den sogenannten Vorbunker etwas breiter und länger geworden. Der Vorbunker ist eine Erweiterung des derzeitigen Müllbunkers und hat den Zweck, die neu angelieferten Müllmengen unmittelbar zu erfassen. Der Müll wird anschließend mit einem Laufkran vom Vorbunker in den bestehenden Bunker transportiert.
Die dritte Linie wurde parallel zu den zwei vorhandenen errichtet und besteht ebenso aus einem Verbrennungsrost und einem Kessel. Die Rauchgasreinigungsanlage setzt sich aus einer trockenen Stufe (Gewebefilter), einer zweistufigen Nasswäsche (saurer Wäscher und Gipswäscher) sowie einer DeNOX-Anlage (Katalysator) zusammen. Für die An- und Abtransporte des Materials wurde eine ökologisch günstige Logistik auf der Schiene ausgearbeitet. Der Müll wird zu 90 Prozent per Bahn angeliefert, das Gleiche trifft auf den Abtransport nahezu aller Reststoffe zu.
Apropos Reststoffe: Abgesehen vom Energiegewinn hat jede Müllverbrennung zugleich den Zweck der Schadstoffentfrachtung des Mülls. Die Schadstoffe im Müll werden durch die Verbrennung zerstört oder, soweit das nicht der Fall ist, in der Rauchgasreinigungsanlage konzentriert erfasst, extrahiert und so dem Luft- und Wasserkreislauf entzogen. Die Reststoffe der Verbrennung werden anschließend unter kontrollierten Bedingungen gefahrlos abgelagert. Die Wärme wird über eine Fernwärmeleitung – die längste ihrer Art in Österreich – in die Landeshauptstadt St. Pölten geliefert.
Ein Teil der Fernwärme dient weiters zur Erzeugung von industriellem Prozessdampf in der Agrana Bioethanolanlage. Bau und Betrieb der Müllverwertungsanlage wirkten bzw. wirken sich nicht nur auf das Gemeindegebiet von Zwentendorf, sondern auf die gesamte Region Tullnerfeld wirtschaftlich förderlich aus. In der Anlage selbst wurden rund 80 neue und in der Region etwa 60 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.
Nun zum „Climate Star“: St. Pölten erhielt den „Climate Star” in der Kategorie „bis 100.000 Einwohner“ für das Projekt „Fernwärme neu“.
(Text: DI. Dr. Udalfried Krames)

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