Besonders in den letzten Jahren ist am Sektor Solartechnologie einiges passiert.
Roger Hackstock: Allerdings, im Jahr 2007 wurde mit ASTTP eine Technologieplattform gegründet, die dazu dient, eine Forschungs-Roadmap zu schreiben. Dazu gibt es einen Fahrplan bis 2030, an dem alle Unternehmen mitgearbeitet haben. Das ist ein wichtiger Impuls in Richtung Solarforschung. Und 2008 wurde die Roadmap 2020 erstellt. Damit stellt Österreich mit einem umfassenden Konzept die Weichen für eine solare Energiezukunft. Wenn die Roadmap umgesetzt wird, bedeutet das für unser Land beispielsweise 60.000 neue Arbeitsplätze!
Robert Kanduth: Diese Roadmap zeigt beispielsweise auch, dass es rein über die thermische Solarenergie möglich ist, zumindest einen Teil der erneuerbaren Energie der Zukunft mit der thermischen Nutzung der Sonnenenergie abzudecken. Wenn es uns gelingt, die Roadmap auch in die Tat umzusetzen, dann können wir statt bisher 0,3 Prozent der erneuerbaren Energien in Zukunft rund drei Prozent abdecken – bis zum Jahr 2020. Das bedeutet eine Verzehnfachung des österreichischen Marktes. Und wenn es in Österreich geht, dann gelingt uns das auch in ganz Europa. Österreichische Firmen haben jetzt schon über 35 Prozent Marktanteil in Europa. Der Markt in Europa könnte sich damit von zweieinhalb bis drei Millionen Quadratmeter verkaufter Solarkollektoren auf rund 30 Millionen Quadratmeter vergrößern. Österreich würde am meisten davon profitieren. Wenn wir also die Roadmap umsetzen, könnten wir bis zum Jahr 2020 mehr als 100.000 Arbeitsplätze in Österreich schaffen. Im Jahr 2040 werden wir in Europa hoffentlich bis zu 40 Prozent erneuerbare Energien produzieren können. Derzeit macht die Biomasse den Löwenanteil aus. Diese kann aber nicht mehr in dem Tempo, wie Energie benötigt wird, mitwachsen. Das heißt, es bleiben nur Sonne, Wind und andere Alternativen.
Ist die Solarwärmebranche quasi das Vorzeigebeispiel für die Entstehung oder Entwicklung eines neuen Wirtschaftszweiges?
Roger Hackstock: Auf jeden Fall. In den vergangenen zwanzig Jahren bzw. verstärkt in den letzten zehn Jahren ist ein sehr erfolgreicher, neuer Wirtschaftszweig entstanden. Mit rund 600 Millionen Euro Umsatz und rund 7.500 Beschäftigten – das kann sich schon sehen lassen. Die Solarwärme wird in absehbarer Zeit sicherlich einer der 20 größten Industriezweige für Österreich und damit eine wesentliche Säule der heimischen Wirtschaft werden.
Und was bringt die Zukunft?
Roger Hackstock: Momentan geht es darum, die Roadmap auch umzusetzen, und damit starten wir jetzt. Öffentlichkeitsarbeit, Lobbying und Qualitätssicherung – das sind die drei Säulen der Roadmap. Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit startete am 18. Februar mit dem ersten großen Get-together der Solarwärmebranche in Österreich eine großangelegte Kampagne, die die Solarwärme einer breiten Öffentlichkeit noch besser zugänglich machen soll. Und auch im Bereich Lobbying haben wir mit der Einrichtung einer interministeriellen Steuerungsgruppe „Solarwärme“ erste Schritte gesetzt. Das heißt konkret, wir haben gemeinsam mit den drei Ministerien, die die Roadmap mittragen, den Startschuss für deren Umsetzung gegeben. In der Öffentlichkeitsarbeit machen wir jetzt das Gütesiegel mehr publik, damit die Öffentlichkeit vermehrt auch auf dieses besteht. Auch auf europäischer Ebene wird Normung und Prüfung im Bereich der Solarwärme immer mehr ein Thema, deshalb werden wir über den Verband jetzt auch eine Arbeitsgruppe „Normung, Prüfung, Zertifizierung“ gründen.
Robert Kanduth: Im Haushalt gehen rund 85 Prozent der Energie in Form von Warmwasser, Wärme bzw. Heizung verloren, und für den Rest braucht man Strom. Und für Strom braucht man Energie – es ist aber unsinnig, diesen Strom über fossile Energieträger, Wasserkraft oder Atomenergie zu erzeugen, wenn die Sonnenenergie gratis und auch umweltfreundlich zur Verfügung steht.
(Redaktion: Tom Cervinka, Heinz Schmid, Birgit Tegtbauer )





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