Jahrzehnte fristete der hydraulische Abgleich ein rein technisches Dasein. Ein Monsterbegriff, geeignet für Ingenieure und Technokraten, die sich über Druck- und Strömungsverluste oder effiziente Wasserverteilung Gedanken machen. Seit wenigen Jahren erst entdecken immer mehr Hersteller plötzlich die energetische Getriebeart in Rohrleitungen für ihr Marketing. Der hydraulische Abgleich ist lästig für den Handwerker – ungewohnt. Ein komplizierter Vorgang, bei dem zahlreiche Einstellungen am Verteiler vorgenommen werden. Für Kopfarbeiter eine Herausforderung, für körperlich Schaffende manchmal beängstigend. Wenn die KV-Werte nicht korrekt erfasst und eingegeben werden, stimmt das Strömungsverhalten im Verteilernetz nicht. Für die Wärmeabgabe steht zu viel oder zu wenig Wasserdruck bzw. Energie zu Verfügung. Nur wenn genau so viel Wasser durch das Rohrleitungssystem einer Heizung bis hin in die Heizkörper fließt, wie benötigt wird, ist die Anlage unter hydraulischen Aspekten korrekt eingestellt.
In Deutschland bemängeln Experten, dass höchstens 50 Prozent der dort tätigen Handwerker einen hydraulischen Abgleich vornehmen. In Österreich dürfte das kaum anders aussehen. Eine gigantische Ressourcen-Verschwendung und obendrein unnütze CO2-Belastung wegen überflüssigen Strombedarfs. Der private Haushalt zählt in den deutschsprachigen Ländern mit 30 Prozent Energiebedarf zu den größten Verbrauchern von Energie. Allen voran deren Millionen von Heizungsanlagen, die innerhalb dieser 30 Prozent rund drei Viertel an Energie für sich beanspruchen. Auch hier werden wohl die Parallelen zum österreichischen Markt deutlich vorhanden sein. Nun sind die Einsparpotenziale eines Wärmeerzeugers auch im Volksmund längst bekannt. Die gleichen Möglichkeiten bei ungeregelten Pumpen oder veralteten Rohrleitungssystemen mit engen Durchmessern kaum. Pumpen aber fressen erstens jede Menge Strom, zumindest die alten Modelle. Zweitens verschleißen Pumpen schneller, wenn sie stärker beansprucht werden. Genau diese Themen haben die Hersteller von Wärmeverteilern und Wärmeüberträgern gerade neu entdeckt.
Anstatt den Handwerker ständig zu belehren, hat die Industrie in vielen Fällen den hydraulischen Abgleich selbst in die Hand genommen. Das kann so aussehen wie beim dezentralen Wilo-Pumpensystem Geniax, wo die KV-Werte vor der Installation der Pumpe in eine Software eingegeben werden. Es kann sich aber auch um selbstlernende Systeme handeln wie die DEM-Technologie von Uponor. Im Grunde genommen aber passiert bei dieser Methode nichts anderes als eine Verlagerung eines technischen Arbeitsschrittes zurück ins Planungsbüro. Zudem locken beim Nachbarn in Deutschland zum Teil attraktive Förderprogramme für Sanierungen, wenn ein hydraulischer Abgleich durchgeführt wird. Verändern sich die Rahmenbedingungen, bekommen auch vertraute Begriffe eine neue Bedeutung. Für den hydraulischen Abgleich lässt sich mit Sicherheit eine passendere Bezeichnung finden, die sich auch für die Arbeit eines Marketingmanagers besser eignet. Nachfolgend stellen wir Ihnen einige typische Produkte vor, die in einem engen Zusammenhang mit dem hydraulischen Abgleich stehen.
Smarte Kompaktpumpe
Die von der Stiftung Warentest mit einem „Sehr gut“ ausgezeichnete Hocheffizienz-pumpe Alpha Pro bekommt mit der Alpha2 eine smarte Nachfolgerin. Schon äußerlich ist der Fortschritt erkennbar: Aufgrund der integrierten Elektronik ist die neue Pumpe noch kompakter als ihre Vorgängerin – dies erleichtert die Installation auch bei sehr beengten Platzverhältnissen. Auch die Plug-and-pump-Technologie des Alpha-Steckers vereinfacht die Arbeit des Installateurs: Nach dem Verbinden des Steckers mit dem Netzkabel wird die Pumpe an die Versorgungsspannung angeschlossen, ohne dass man dazu den Klemmenkasten öffnen muss. Bei schwer zugängigen Installationen ist das sehr vorteilhaft.
Dank einer komplett neuen Motorbauweise (Permanentmagnetmotor-Technologie ECM, kompakte Statorbauweise) und des AutoAdapt-Systems der 2. Generation konnte der Energieverbrauch dieser Pumpe noch weiter gesenkt werden. Die Alpha2 ist auf der Energieeffizienzskala A platziert. Mit AutoAdapt analysiert die Pumpe laufend die Verhältnisse in der Anlage, in die sie eingebaut ist, und durchläuft daraufhin einen Anpassungsprozess. Anders als beim AutoAdapt-Verfahren der 1. Generation muss die Alpha2 jedoch nicht mehr den äußersten Punkt ihrer Kennlinie erreichen, bevor das System adaptierend eingreift. Die Alpha2 adaptiert sich von jedem Betriebspunkt aus. Bei jeder Wärmebedarfsänderung wählt AutoAdapt die optimale Einstellung, und die Pumpe findet immer wieder die Einstellung für den minimalen Energieverbrauch – selbsttätig! Die Alpha2 kann aufgrund der regelmäßigen Überprüfung der Anlagenverhältnisse nie „falsch” eingestellt sein.
Geniax: dezentrale regelung
„Wilo-Geniax“ ist ein Gesamtkonzept für die Hydraulik der Wärmeverteilung bei Warm- wasserheizungen. Eine zentrale Steuereinheit mit modernster Computertechnik erkennt den Wärmebedarf der einzelnen Räume und versorgt die Heizkörper individuell mithilfe von Miniaturpumpen, die nicht größer als herkömmliche Thermostatventile sind. So bleibt das gesamte Heizungssystem jederzeit in einem energieeffizienten und komfortablen Optimalzustand. Zentraler Vorteil ist – neben Hydraulik- und Komfortverbesserungen – vor allem eine erhebliche Senkung des Heizenergiebedarfs.
Gegenüber konventionellen Systemen mit Thermostatventilen erreicht das dezentrale Pumpensystem laut Hersteller im Durchschnitt rund 20 Prozent Heizenergieeinsparung. Diese wird erzielt durch eine bedarfsorientierte Vorlauftemperatur des Wärmeerzeugers, eine Reduzierung der Heizdauer durch bedarfsgerechte Regelung, die Vermeidung von Temperaturschwankungen sowie den Entfall von Drosselverlusten. Ein weiterer Vorteil ist ein automatischer hydraulischer Abgleich, sodass jede Heizfläche präzis und energieeffizient mit der benötigten Wassermenge für optimale Behaglichkeit versorgt wird. Einsatzbereiche sind Neubauten und auch die Nachrüstung von Altbauten, das System kann sowohl in Ein- und Mehrfamilienhäusern als auch in Nutzimmobilien wie Bürogebäuden eingebaut werden.
Die neu entwickelten Miniaturpumpen zeichnen sich durch die von Hocheffizienzpumpen bekannte, stromsparende EC-Motorentechnologie sowie durch geringe Baugröße und hohe Robustheit aus. Die im Rücklauf installierten Pumpen versorgen die Radiatoren bzw. Flächenheizkreise mit den notwendigen Massenströmen. Eine in der Nähe der Pumpen installierte Pumpenelektronik steuert diese über eine Kabelverbindung und ermöglicht den Anschluss externer Temperaturfühler und Fensterkontakte. Die Temperatursteuerung erfolgt für jeden Raum über Raumbediengeräte und ein intuitives, leicht erlernbares Bedienkonzept. Geniax ist bislang nur auf dem deutschen Markt erhältlich.
Purmo: Extra flach
Fußbodenheizungen liefern gleichmäßige Wärme und sind unsichtbar. Kein Wunder, dass heute beim Hausbau bereits die Hälfte der Wohnfläche mit Flächenheizungen ausgestattet wird. Nur bei der Modernisierung sind normale Fußbodenheizungen im Nachteil, da sie sich durch ihre Aufbauhöhe von mindestens 80 mm nur schwer in bestehende Gebäude integrieren lassen. Mit dem speziell für Renovierungssituationen entwickelten clickjet S bietet Purmo hier einen echten Problemlöser an: Mit nur 20 mm Aufbauhöhe lässt sich das System für Wand- und Fußbodenheizung auch nachträglich in fast jeden Raum integrieren.
Basis des neuen Systems sind die verzinkten clickjet-Gittermatten, die Purmo im Verlegeraster von 100 und 150 Millimeter anbietet.
(Redaktion: Knut Maria Siebrasse)