Wissenschaftliche Untersuchungen und Beispiele aus der Praxis zeigen, dass Holz in Nassräumen kein hygienisches Problem darstellt.
Was vor 50 Jahren noch zum Alltagswissen gehörte, aber durch die Begeisterung für neue Materialien verschüttet wurde, wird jetzt von Konsumenten, aber auch von der Wissenschaft wiederentdeckt. Bis Mitte des letzten Jahrhunderts wurde Holz für Geschirr, Werkzeuge oder als Vorratsbehältnis verwendet. Seither wurde es aber in vielen Bereichen weitgehend von anderen Materialien wie Keramiken, Metallen oder Kunststoffen verdrängt. Einige Spezialitäten haben sich jedoch auch hier gehalten, so wird zum Beispiel Wein aus Eichenfässern ein besonders edles Aroma zugeschrieben.
Seit vor circa 50 Jahren Kunststoffe vermehrt in unser Alltagsleben Einzug genommen haben, hat sich die Ansicht, dass Holz unhygienisch sei, immer mehr verbreitet. Insbesondere mehrten sich Aussagen über die schlechte Reinigungsfähigkeit von Holz und die entsprechenden Vorteile der Keramik- und Kunststoffoberflächen. Dies hat sich auch teilweise in der Gesetzgebung niedergeschlagen, die den Gebrauch von Holz weiter einschränkte. Bis vor wenigen Jahren hat sich an diesem Meinungsbild kaum etwas geändert. Aufsehen erregten deshalb einige US-amerikanische Studien aus den 1990er-Jahren. Diese Berichte zeigten ein ganz anderes, ein positives Bild vom Hygieneverhalten von Holz. Diese Studien stießen im deutschsprachigen Raum vorerst auf große Skepsis, bewirkten jedoch, dass neue Untersuchungen angestellt wurden. Die neuen und für das Holz sprechenden Erkenntnisse sind in den folgenden Punkten kurz zusammengefasst:
• bei einer im Haushalt oder Krankenhaus üblichen Belastung mit Bakterien hat Holz ein ähnliches, teilweise sogar besseres antibakterielles Verhalten als Kunststoff, Glas oder Stahl
• die Oberflächenstruktur von unbehandeltem Holz hat nur geringen Einfluss auf die antibakterielle Wirkung; gehobelte oder bereits strukturgeschädigte Oberflächen haben ein fast gleichartiges Verhalten
• die zur Verfügung stehende Feuchtigkeit spielt eine bedeutende Rolle. Je weniger Wasser bereit steht, desto schneller sterben Bakterien ab. Durch die poröse Struktur von Holz wird den Bakterien die für das Wachstum notwendige Feuchtigkeit rasch entzogen
• natürlich eingelagerte Inhalts- bzw. Gerbstoffe (besonders bei Kiefernarten, Lärche oder Eiche) steigern das antibakterielle Verhalten von Holz erheblich (Abbildung 1)
• Holz hat grundsätzlich ein gleichgutes Reinigungs- und Desinfektionsverhalten wie andere üblich verwendete Werkstoffe
© Mirako
Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, dass mithilfe wissenschaftlicher Untersuchungen die günstigen Eigenschaften von Holz in Nassräumen nachgewiesen werden können. Der Tischlereibetrieb Kalchgruber aus Taufkirchen/Pram stellt unter anderem Badewannen (Abbildung 2) aus Holz (v. a. Fichten- und Lärchenholz geölt) seit rund zehn Jahren her, die im Privatbereich erfolgreich verkauft werden. In letzter Zeit gibt es verstärkt Anfragen zu dem Produkt aus der Tourismusbranche. Der Verkauf scheiterte jedoch bisher, da die Interessenten Bedenken bezüglich der Hygiene bzw. Reinigung der Holzbadewannen haben bzw. die für die Zulassung von Holzwannen in oben genannten Bereichen verantwortlichen Personen ebensolche Zweifel haben und daher „sicherheitshalber“ die Zulassung ablehnen. Im Rahmen mehrerer Teilstudien, die durch die Kompetenzzentrum Holz GmbH im Rahmen eines FFG-Innovationschecks und in weiterer Folge unterstützt durch das Technologie- und Innovationsmanagement (TIM) der WKO und des Landes OÖ durchgeführt wurden, konnte die Fragestellung, ob Holz für den Einsatz im Nassbereich – speziell für Badewannen – geeignet ist, näher untersucht werden.
Als ersten Schritt wurden mittels einer Literaturrecherche relevante Untersuchungen und Studien über die Hygieneeigenschaften von Holz erfasst. Die Erkenntnisse hieraus konnten auf Holzbadewannen übertragen werden. Darauf aufbauend wurden in Zusammenarbeit mit der Abteilung Lebensmittelmikrobiologie und -hygiene (Boku Wien) eigene praktische Untersuchungen durchgeführt. Mikrobielle Untersuchungen an einer über mehrere Jahre in Verwendung befindlichen Holzbadewanne zeigten keinerlei Hygienerisiko auf.
Bestimmung des Oberflächenkeimgehaltes von Kiefern-Kernholz, Buche und Polyethylen nach einer Beimpfung mit E.-coli-Bakterien (Schönwälder 2000). Durchgeführt von Annett Schönwälder an der Biologischen Bundesversuchsanstalt für Land- und Forstwirtschaft in Braunschweig (D). Versuchsanordnung:
Beimpfung mit E.-coli-(pIE639)-Bakterien (1x106 KBE*/cm²)
und Lagerung bei 21 °C und 50 % rel. Luftfeuchte (KBE ... Kolonien bildende Einheit von lebensfähige Bakterie)
Die Abbildung 1 zeigt deutlich die natürliche antibakterielle
Wirkung von Holz, wobei Kiefern-Kernholz aufgrund der
Inhaltsstoffe die besten Ergebnisse liefert.


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Kurzbiografie
DI Dr. Christian Hansmann: geboren 1971 in Wien; Studium der Holzwirtschaft und Doktoratsstudium an der Boku Wien; Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kompetenzzentrum Holz GmbH (Wood K plus) in Linz
Robert Stingl: geboren 1974 in Waldzell (OÖ), wohnhaft in Wien; 1993 Matura an der HTBLA I (Abteilung Hochbau) in Linz; Bakkalaureatsstudium Holz und Naturfasertechnologie und Magisterstudium Holztechnologie und Management an der Boku Wien; Wissenschftlich-technischer Mitarbeiter am Institut für Holzforschung an der Universität für Bodenkultur Wien
Factbox
Diplomarbeiten und Dissertationen zum Thema Holz und Hygiene
Gebken S (2004) Untersuchungen zur antimikrobiellen Wirkung von Holz unter Berücksichtigung praktischer Anwendungsbereiche. Diplomarbeit an der Fachhochschule Oldenburg / Ostfriesland / Wilhelmshaven – Fachbereich Technik, Emden, Februar 2004
Millig A (2004) Holz – ein natürlicher Werkstoff mit antibakteriellen Eigenschaften? Vergleichende Untersuchungen zum Überleben von Bakterien auf Holz und Kunststoff mit mikrobiologischen und molekularen Methoden. Dissertation an der Technischen Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig, Deutschland, 2004
Wirmer J (2005) Antimikrobielle Wirkung von Kiefernholz. Dissertation zur Erlangung des medizinischen Doktorgrades der Medizinischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg i. Br., Deutschland, 2005
(Redaktion: Robert Stingl, Christian Hansmann, Gebäude Installation)
