Zum ersten Mal in Österreich hat Grohe eine profunde Runde aus Architekten und Architekturpublizisten zusammengestellt, um sich dem Thema Wohnbau unter dem Titel „Wohnen – Zimmer mit Ausblick" zu widmen. Diese Dialogreihe soll den internationalen Gedanken- und Ideeaustausch fördern. Bautypologischen Veränderungen will man auf den Grund gehen und mit einer Art Netzwerk die Denkweisen der Kunden, also auch der Architekten besser kennenlernen − und in Zukunft somit weltweit Unterschiedlichstes möglichst interdisziplinär zur Diskussion stellen.
„Weltweit leben mehr Menschen in Städten als je zuvor, die alle möglichst die Vorzüge der Stadt genießen, deren Belastungen aber am liebsten ausblenden möchten", stellt der Moderator und Architekturpublizist Andreas Ruby einleitend fest. Nicht einem einzigen, sondern vielen Bewohnern gerecht zu werden, die man nicht persönlich kennt, erfordert von allen am Bau Beteiligten einiges Fingerspitzengefühl. Wie erreicht man die nötige Identifikation, damit sich schließlich jeder Bewohner wohlfühlt?
Die Architektin Anna Popelka (ppag) spricht vom Durcheinander-schütteln der Algorithmen: jedes Geschoß erhält dieselben Elemente, aber in stets neuer Anordnung. Rüdiger Lainers Rezept ist es, Individuelles in den Wohnungen mit Gemeinsamen zu überblenden. Neutrale Erschließungs-flächen werden zu gemeinsamen Nutzflächen und fördern das Miteinander. In Heidi Pretterhofers (Arquitectos) Einfamilienhaus, das wie eine Geschoßwohnung funktioniert, verschmelzen Innen und Außen durch Einstülpungen und Höfe. Für Michael Pech (Österreichisches Siedlungswerk) hat Bauen trotz aller baurechtlichen und finanziellen Vorgaben noch immer vor allem mit Gefühl und Poesie zu tun. Gefragt ist auch die Architekturvermittlung, die das Gebaute nicht den Fachleuten, sondern den Bewohnern näher bringen möchte. Denn Baukultur ist auch Wohnkultur. Vorbehalte gegen flexible Nutzungen, Funktionsvermischungen oder Mietfluktuation sind nach wie vor Grundlage oft monofunktionaler neuer Wohnbezirke, in denen die städtische Infrastruktur ausgeblendet bleibt. Zeit für einen Umdenkprozess bei Förderbedingungen von Gemeinschaftseinrichtungen.
An der Fantasie der Architekten fehlt es nicht, vielmehr in Österreich wie Deutschland an bedeutenden Städtebauern und am Überdenken zu straffer Regulierungen.
Gerhard Matzig, Redakteur der „Süddeutschen Zeitung" und Buchautor ortet dennoch in Österreich mehr Baukultur als in Deutschland. Er sieht die zurzeit ablaufende Konkurrenz unter den Städten als durchaus positiv. Einziger Wermutstropfen: Nicht alle können daran auch teilhaben, denn die Wohnsituation ist und bleibt zu unflexibel und nicht günstig genug. Grund genug für den zwar eingeschworenen Stadtliebhaber, trotz seiner unumstößlichen Stadtfixierung, Frau und Kindern zuliebe in ein eigenes Haus an den Stadtrand zu ziehen – und vom Hoch und Tief des Hausbauens äußerst humorvoll in seinem kürzlich erschienenen Buch „Meine Frau will einen Garten" zu erzählen. Aber wohlgemerkt: Sind die Kinder erst einmal groß, zieht er sicher ganz schnell zurück in die Stadt.
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(Redaktion: Christine Müller, Gebäudeinstallation)