15.06.2010
Städtetag: Arbeitskreis Energieeffizienz
Energieeffizienz im Gebäudebereich, Erneuerbare Energien und Elektromobilität gelten als wichtige Themen der Zukunft. Fossile Energiereserven werden knapp, Umwelt- und Klimaprobleme fordern zum Handeln auf, in den unterschiedlichsten Bereichen und auch in österreichischen Städten.
Erneuerbare Energieträger
„Gerade der Gebäudesektor bietet Städten und Gemeinden sinnvolle Chancen zur Reduktion von Treibhausgasen“, so eine Kernaussage der vom Österreichischen Städtebund in Auftrag gegebenen Analyse zum Thema Gebäude und Einsatz erneuerbarer Energieträger. 60.000 Gebäude befinden sich derzeit im Eigentum von Städten und Gemeinden, die somit zum wichtigsten Gebäudeeigentümer der öffentlichen Hand werden. Erneuerbare Energieträger, so die Studie, hätten derzeit einen Anteil von knapp 29 Prozent am Endenergieverbrauch – nach wie vor eine Diskrepanz zu dem 34-Prozent-Ziel des Kyoto-Protokolls. Seit 2003 erfolgt zwar eine Stabilisierung der Treibhausgas (THG)-Emissionen, eine Trendumkehr kann daraus allerdings noch nicht geschlossen werden.
„Die Energiestrategie in Österreich baut inhaltlich auf dem Klima- und Energiepaket der EU auf“, erläutert Christof Amann, Projektleiter der Studie. Diese beinhalte unter anderem auch die sogenannten 20-20-20-Ziele: Reduktion der THG-Emissionen, Steigerung des Anteils der Erneuerbaren Energien und Steigerung der Energieeffizienz um jeweils 20 Prozent. Vorrangiges Ziel sei in Österreich zuerst einmal die Stabilisierung des Energieverbrauchs auf das Niveau von 2005. Zu den Instrumenten der Länder meinte Amann, dass diese mit der Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie und mit der 15a-Vereinbarung über gemeinsame Qualitätsstandards für die Wohnbauförderung langsam in Richtung Harmonisierung gehen würden – ein wichtiger Aspekt für nachhaltigen Erfolg, wie Amann betont.
Energetische Standards
Bei den Handlungsoptionen der Städte stehen laut Studie vor allem die Festlegung von hohen energetischen Standards bei Neubau und Sanierung, laufendes Monitoring durch Energiebuchhaltung und die Festlegung von Energieeffizienz-Kriterien für Gebäude bei Stadtentwicklungsgebieten im Vordergrund. Die Fernwärme stellt einen weiteren wichtigen Punkt dar. Neben gezielter Förderung sei auch die Wirtschaftlichkeit der Fernwärme zu erhöhen, was etwa bei Baurechtsverträgen die verpflichtende Anbindung unterstützen könnte.
Energieeffizienz in Österreichs Städten
Im Rahmen des Arbeitskreises stellten zwei österreichische Städte ihre Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz vor - Graz und Salzburg. Die Diskussion um den Klimaschutz könne nur so radikal wie möglich beantwortet werden, so die Grazer Vizebügermeisterin Lisa Rücker. Die Stadt habe daher zu handeln. Das Grazer Klimaschutz-Konzept 2020 (beschlossen 2008) setze bei der Energieeffizienz vor allem auf städtische Gebäude, auf Wohnbauten und Betriebe sowie auf den Ausbau von Solarenergie und Fernwärme und auf eine Veränderung des Mobilitätsverhaltens, so die Grazer Vizebürgermeisterin Lisa Rücker. Die Diskussion um den Klimaschutz könne nur so radikal wie möglich beantwortet werden, ist sie überzeugt und erzählte auch vom Grazer Solardachkataster, der aufzeigt, dass 30-50 Prozent der Dachfläche für Solaranlagen geeignet sind.Das Energiekontrollsystem der Stadt Salzburg ist seit nunmehr 10 Jahren im Einsatz. Trotz steigender Nutzflächen und einer jährlichen Steigerung des Stromverbrauchs um 2,3 Prozent konnte damit der Heizenergieverbrauch seit 1998 um 17,3 Prozent gesenkt worden.
Die Salzburger Stadträtin Claudia Schmidt stellte gemeinsam mit Franz Huemer vom Magistrat der Stadt das Energiekontrollsystem der Stadt Salzburg vor, das seit mittlerweile 10 Jahren im Einsatz ist. Trotz steigender Nutzflächen und einer jährlichen Steigerung des Stromverbrauchs um 2,3 Prozent ist es gelungen, den Heizenergieverbrauch seit 1998 um 17,3 Prozent zu senken. Auch für den Neubau von Gebäuden gibt es neue Richtlinien - der Bau wird nicht einfach an den Billigstbieter vergeben, sondern die Vergabe beinhaltet zu 1/3 Ökologie, zu 1/3 Ökonomie und zu 1/3 Architektur als Kriterien. Im Heizungsbereich ist der Stadt der Ausstieg vom Energieträger Öl jedenfalls gelungen.
Positive Beispiele der EU
Auch aus der EU gibt es positive Zeichen: So gilt Stuttgart etwa was die Steigerung der Energieeffizienz anbelangt als Vorreiter. Nino Schäfer vom Umweltamt der Stadt Stuttgart stellte klar, warum die Steigerung der Energieeffizienz Sinn macht. So setzt man in Stuttgart bereits seit langem auf Energiecontrolling, betreibt viele Anlagen im Bereich Erneuerbare Energien, hat die Planungsvorgaben adaptiert, plant derzeit eine Plus-Energieschule und nimmt an einem EU-Projekt zum Thema „Solarverordnung“ teil.

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