02.08.2010
Biogas-Netzeinspeisung ausgezeichnet
Das Pilotprojekt "Biogas-Netzeinspeisung" in Bruck an der Leitha wurde von Infrastrukturministerin Doris Bures als für die Zukunft richtungsweisend ausgezeichnet.
Erstmals ist es durch die Zusammenarbeit des BMVIT mit dem Klima- und Energiefonds, dem Land Niederösterreich, der Energiepioniere und Erdgasindustrie, sowie von Wissenschaft und Wirtschaft gelungen, alle technischen und wirtschaftlichen Hindernisse für eine Biogas-Netzeinspeisung zu bereinigen. Umweltminister Niki Berlakovich sieht dieses Projekt als Schritt zu mehr Erneuerbarer Energie in Österreich.
In Bruck an der Leitha wird Biogas auf die hohe Qualität von Erdgas gereinigt und in das Netz der EVN eingespeist. Auch die Fahrzeugindustrie arbeitet gleichzeitig an attraktiven Erdgasfahrzeugen. Somit wird Biogas zu einem erneuerbaren Heizstoff aus dem Erdgasnetz und zu einem Biotreibstoff für umweltfreundliche Erdgasfahrzeuge.
Im Rahmen eines Festaktes wurde kürzlich die Auszeichnung in Form einer Urkunde des Infrastrukturministeriums, das das richtungsweisende Projekt zu einem wesentlichen Teil finanziert hat, durch Michael Paula vom BMVIT an das Projektkonsortium überreicht. Minister Berlakovich betonte aus diesem Anlass: "Die Biogastechnologie leistet einen Beitrag zum Ausbau der Erneuerbaren Energie, zur Schaffung von green jobs und ist Bestandteil der Energiestrategie für Österreich.
Biogas ist ein heimischer erneuerbarer Energieträger, der wesentlich höhere Energieerträge pro Hektar Ackerfläche erlaubt als andere nachwachsende Energierohstoffe. Bisher bestand das Problem des Transports von Biogas zum Kunden. Wegen seiner Zusammensetzung konnte es nicht direkt ins Erdgasnetz eingespeist werden. Deshalb wurde in Österreich hergestelltes Biogas fast immer verstromt und als Ökostrom in das Netz eingespeist", so Berlakovich weiter.
Technologie Made in Austria
Bereits 2005 hatten sich zwölf Projektpartner zusammengeschlossen, um Biogas für das Erdgasnetz fit zu machen und Fahrzeuge zu entwickeln, die damit CO2-neutral und extrem schadstoffarm fahren. In der Pilotanlage in Bruck an der Leitha wird mit innovativer, in Österreich entwickelter Membrantechnologie Biogas im Ausmaß von bis zu 800.000 m3/Jahr auf Erdgasqualität gereinigt.
Das aufbereitete Gas wird in das Erdgasnetz der EVN eingespeist und zum Großteil im Ortsnetz von Bruck an der Leitha verbraucht. Allerdings ist der verbrauch während des Sommers so gering, dass ein Teil des aufbereiteten Biogases über das übergeordnete Verteilnetz auch zu anderen Orten geleitet werden muss. Im Rahmen dieses Projektes konnten die Mess- und regeltechnischen Voraussetzungen geschaffen werden, um diesen nicht ganz einfachen Vorgang einwandfrei zu beherrschen. Außerdem ermöglichen Vertragsgrundlagen erstmals, gereinigtes Biogas rechtlich einwandfrei einspeisen zu können.
Die eingespeiste Menge wurde TÜV-zertifiziert und sichergestellt, dass an Kunden 100 Prozent Biogas geliefert wird, wenn sie dies wünschen. Und das auf Erdgasqualität gereinigte Biogas kann außerdem virtuell an Tankstellen als Bio-CNG zur Betankung von Erdgasautos eingesetzt werden, und so einen wesentlichen Beitrag zur CO2 Reduktion im Verkehr leisten.
Energieeffizient und kostengünstig
Der mehrjährige Versuchsbetrieb zeigt, dass Produktion und Veredelung von Biogas auf Erdgasqualität technisch machbar und energieeffizient sind. Auch die Kosten konnten so weit reduziert werden, dass eine wirtschaftliche Umsetzung in greifbare Nähe rückt. Die Wirtschaftlichkeit der Einspeisung von gereinigtem Biogas hängt von einem Anstieg der Energiepreise ab.
Die Verwendung nachwachsender Rohstoffe die in keinem Konkurrenzverhältnis zur Lebensmittelproduktion stehen, stellt ein wichtiges Kriterium bei der Gewinnung von Biogas dar. Die Anlage in Bruck an der Leitha setzt daher größtenteils auf organische Abfälle, landwirtschaftliche Nebenprodukte und Zwischenfrüchte. In einem Nachfolgeprojekt will man das Potenzial von Zwischenfrüchten, die der Bauer erst nach der Ernte der Nahrungs- oder Futtermittel pflanzt, für die Produktion von Biogas ermitteln. Hierzu werden an drei Standorten in Österreich Zwischenfrüchte drei Jahre lang angebaut.
Die Gesamtkosten des Pilotprojektes belaufen sich auf rund 4 Millionen Euro. Projektpartner sind Universität für Bodenkultur, Universität Wien, Technische Universität Wien, Energiepark Bruck an der Leitha, Biogas Bruck an der Leitha, Axiom, EVN, OMV Gas & Power, OMV Aktiengesellschaft, Wien Energie, AVL LIST, Grazer Energieagentur und LuPower. Finanziert wurde das Projekt neben Eigenmitteln der Projektpartner durch das Infrastrukturministerium BMVIT und sein Programm "Energiesysteme der Zukunft", über den Klima- und Energiefonds KLIEN und die Forschungsförderungsgesellschaft FFG sowie durch Mittel des Landes Niederösterreich und des OMV Future Energy Fund.
Als Kraftstoff kann Biogas einen bedeutenden Beitrag zur Reduktion der Treibhausgas-, Stickoxid- und Feinstaubemissionen leisten und somit der Luftreinhaltung in Österreich dienen. Ein Anteil von 5 Prozent Biogas am Kraftstoffmarkt würde die CO2-Emissionen um 1 Mio. t/Jahr reduzieren

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