17.06.2010
Hallenbad und Supermarkt als Passivhäuser
Selbst aus Japan, den USA und Kanada reisten Interessierte nach Dresden. Laut Tagungsorganisator Wolfgang Feist, Bauphysiker und Leiter des deutschen Passivhaus-Institutes ist die Passivbauweise technisch bereits in allen Einsatzbereichen und Klimazonen möglich. Mutigen Pilotprojekten käme hierbei hohe Bedeutung für die Weiterentwicklung zu.
Supermarkt und Hallenbad als Pilotprojekte
Auf der Tagung wurde als Pilotprojekt der weltweit erste Supermarkt nach Passivhauskriterien vorgestellt. Errichtet von der Handelskette Tesco in Tramore in Irland. Im Nicht die Heizwärme, sondern die Kühlung der Waren ist in einem Supermarkt problematisch. Kühlaggregate entziehen der Ware Wärme und leiten diese in die Raumluft des Supermarkts, wodurch im Sommer oft eine Klimaanlage nötig wird.
In Tramore wird die Wärme nach außen abgegeben und nur im Winter teilweise zur Heizung rückgeführt, außerdem reduzieren LED-Lampen die Wärmeproduktion der Beleuchtung. Mit fünf Prozent höheren Baukosten erreichte man eine Halbierung des Energieverbrauchs.
Aber auch in anderen Bereichen lassen Pilotprojekte aufhorchen: So entstehen etwa in Bamberg und Lünen derzeit Passivhaus-Hallenbäder. "Während früher Kaltwasser in Bädern üblich war, fordert der Komfortanspruch heute Wassertemperaturen um 30 Grad. Die dadurch höhere Verdunstung bringt enormen Wärmeverlust und hohe Luftfeuchtigkeit, der man durch energieaufwändige Entfeuchtung und hohe Luftwechselraten begegnet", erläutert Feist. Beim neuen Ansatz wird überschüssige latente Wärme per Wärmepumpe und Wärmerückgewinnung zurückgeholt und ins Beckenwasser rückgeführt. Dazu werden Lüftungsgeräte, Solarthermik und Tageslicht effektiver genutzt.
Höhere Zufriedenheit in Passivbauten
Den größten Anteil an Passivhäusern verzeichnet der Wohnbau. Diese Bauweise wird laut dem österreichischen Architekten Martin Treberspurg von den Bewohnern gut angenommen. Laut Treberspurg, Experte für ressourcenorientiertes Bauen an der Universität für Bodenkultur Wien zeigten Studien, die hohe Zufriedenheit von über 80 Prozent der Bewohner von passiven Wohnbauten. In vergleichbaren herkömmlichen Bauten seien es über 50 Prozent. Die Gründe hierfür lägen vor allem in der besseren Luftqualität der Innenräume und der selbst im Winter konstanten Temperatur.
Sowohl Feist wie Treberspurg erwarten eine weitere Kostenreduktion für die Zukunft. Für den Bau eines Mehrfamilien-Passivhauses muss derzeit noch fünf bis acht Prozent mehr kalkuliert werden, bei Einfamilienhäusern zehn bis 15 Prozent. Die steigende Zahl von Anbietern und Produkten, wird einer weitere Kostensenkung nach sich ziehen, erwartet Treberspurg.
Fernziel: Das Haus als Stromkraftwerk
Aber auch bei Passivhäusern gebe es noch technisches Verbesserungspotenzial: "Zu erwarten sind etwa geringere Rahmen-Ansichtsbreiten von Fenstern, die mehr Licht eindringen lassen und somit die energetische Bilanz verbessern. Ähnliches gilt für die Lüftungstechnik, deren Einstellung bisher hohen handwerklichen Aufwand bedeutet. Die Geräte der Zukunft sollten es schaffen, sich selbst zu einzuregeln", so Feist. Treberspurg erwartet die Weiterentwicklung der Plusenergiehäuser, die sogar überschüssige Energie erzeugen und wieder ins Netz einspeisen. Da der Mehraufwand jedoch derzeit 40 bis 60 Prozent betrage, gebe es in Österreich davon erst unter zehn Stück.

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