06.08.2010
Wie klimafreundlich sind Österreichs Konsumenten?
Diese Frage stellten sich im Rahmen einer unlängst in Wien abgehaltenen Pressekonferenz die Geschäftsführerin des WWF, Hildegard Aichberger, und Motivforscherin Sophie Karmasin. sie präsentierten die erste Studie zum klimafreundlichen Konsumentenverhalten.
Christine Müller
Männer sind Klimamuffel – vor allem junge Männer. So lautet eines der wichtigsten Ergebnisse der ersten Studie zur Klimafreundlichkeit Österreichs, mit der das Karmasin Marktforschungsinstitut von der WWF Climate Group beauftragt wurde. Die Mitglieder der WWF
Climate Group bekennen sich als Unternehmen in Österreich zu vermehrter Energieeffizienz und Nachhaltigkeit, um die weltweiten CO2-Emissionen zu senken.
Die Telekom Austria, der Fruchtsafterzeuger Pfanner, das Einrichtungshaus Ikea, Fronius, tätig in den Bereichen Batterieladesysteme, Schweißtechnik und Solarelektronik, sowie der Versicherer Allianz haben sich als Mitglieder dieser Plattform österreichischer Unternehmen verpflichtet, in Hinkunft klimafreundlich zu denken und zu handeln.
Alter macht weise? Überraschenderweise ist das Klimabewusstsein in Österreich allgemein eher als hoch einzustufen. Etwa ein Drittel der Bevölkerung sieht sich als engagiert, was den Klimaschutz anbelangt. Vermehrte Bewusstseinbildung tut aber dennoch not. Paradox erscheint auch die diesbezügliche Altersverteilung, denn eher ältere als jüngere Menschen – obwohl gerade sie die Auswirkungen klimatischer Veränderungen in Zukunft erleben werden – sind sich der Auswirkungen ihres Kaufverhaltens auf die Umwelt bewusst. Das Verantwortungsbewusstsein für die nächste Generation steht in engem Zusammenhang mit Kindern im Haushalt und einer daher bewussteren Ernährung.
Sparsam und klimafaul Bequemlichkeit, Gewohnheit und fehlende finanzielle Anreize stellen sich als größte Hindernisse für ein klimabewusstes Leben heraus. Eine der wichtigsten Barrieren in der Entscheidung für umweltfreundliche Produkte ist aber nach wie vor der Kostenfaktor. „Als würde man die Uhr anhalten wollen, um Zeit zu sparen”, versuchte Hildegard Aichberger klarzumachen, dass Sparsamkeit bei Klimaschutz aus Kostengründen der falsche Weg ist. Nur ein Drittel der Befragten wäre mit einer Preiserhöhung von zehn Prozent für Maßnahmen des Klimaschutzes einverstanden. Hier sind daher noch mehr Bewusstseinsbildung und ein differenzierteres Angebot gefragt. Mülltrennung, Konsum von heimischen Lebensmitteln und Sparsamkeit im Energieverbrauch stehen an oberster Stelle der Maßnahmenliste für mehr Klimaschutz. Von immerhin 49 Prozent, die ihr Zuhause wärmegedämmt oder Fenster und Türen getauscht haben, taten dies nur 32 Prozent aus Gründen des Klimaschutzes.
Tatsächliche Umsetzung Prinzipiell ist die Bereitschaft zur Umsetzung klimafreundlicher Maßnahmen zwar hoch, die finanziellen Möglichkeiten oder das vorhandene Angebot beeinflussen diese jedoch massiv. Ein Zusammenhang mit dem Bildungsniveau ist
offensichtlich, auch der Verzicht auf das Auto macht hier noch einen nicht zu unterschätzenden Faktor aus, wobei etwa 40 Prozent der befragten Frauen, aber nur 32 Prozent der Männer der Umwelt zuliebe auf das Auto verzichten würden. Drei Typologien ergaben sich prinzipiell aus den gestellten Fragen: Die Engagierten, die in hohem Maß am Klimabewusstsein Interessierten (31 Prozent), die Gleichgültigen, deren Interesse an Umwelt- und Energiefragen sich in Grenzen hält (24 Prozent), und schließlich die interessierten Mitläufer, die Klimabewusstes zwar schätzen, die Thematik aber mit großer Distanz betrachten (45 Prozent).
Nutzung alternativer Energien Die Nutzung von Sonnenenergie ist überraschenderweise nicht nur in Wien kaum von Interesse, sondern auch im Westen Österreichs, wo allerdings bereits
ein hoher Anteil (mehr als die Hälfte der Tiroler und Vorarlberger) von Holz, Biotreibstoffen oder Pellets Anwendung findet. Hier gibt es noch viel aufzuholen, denn während ein Drittel der iederösterreicher oder Burgenländer erneuerbare Energien nutzen, sind es in Wien gerade mal acht Prozent.
Stichwort Verantwortung 56 Prozent der Österreicher sind der Meinung, dass der Einzelne die größte Verantwortung an klimabewusstem Verhalten trägt, das sagen zumindest die jüngeren
Befragten. Ein Viertel meint, dass hier vor allem der Staat gefordert sei, und nur 16 Prozent sind der Ansicht, dass Unternehmen vermehrt in die Verantwortung genommen werden sollten, etwa mit dem Angebot entsprechender Produkte. Immerhin 40 Prozent erwarten sich die Reduktion von Schadstoffen und CO2 ebenso wie geringere Transportwege durch vermehrte inländische Produktion und die Verwendung regionaler Produkte, weitere 40 Prozent erwarten von einem klimafreundlichen Unternehmen umweltfreundliches Handeln von der Produktion zur Entsorgung sowie einen bewussteren und effizienteren Umgang mit Ressourcen.
Obwohl viele den Beitrag jedes Einzelnen als grundlegend ansehen, dominiert das Unwissen über dessen Bedeutung. So kennen viele nicht die konkreten Auswirkungen ihres Verhaltens auf das Klima
oder geben an, sich überhaupt zu wenig mit Klimaschutz und klimafreundlichen Produkten auszukennen. Der Zeitfaktor und die Bequemlichkeit sind weitere Barrieren für ein klimabewusstes Handeln. Oft siegt auch die Bequemlichkeit, nämlich dann, wenn man mit dem Auto anstatt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fährt oder auf Mülltrennung verzichtet. Denn viele Verhaltensweisen sind gewohnheitsbedingt, und man denkt über klimafreundliches
Verhalten auch wenig nach.
Mehr Wissen Die bessere Qualität klimafreundlicher Produkte oder Dienstleistungen oder umfangreichere Informationen sind ein nur durchschnittlicher Anreiz. Deren Kennzeichnung oder Zertifizierung hat aber sehr wohl für 48 Prozent eine übergeordnete Bedeutung, vor allem für Frauen und ältere Personen. Neben dem Appell an Verantwortungsbewusstsein und Solidarität sind der finanzielle Aspekt und ein Mehr an Qualität ebenso wichtig wie der soziale Aspekt als Zeichen und Prestige. Ein wichtiger Faktor in diesem Zusammenhang bleibt letztlich auch ein Mehr an Information eben genau über die reellen Auswirkungen des Klimawandels und über die Möglichkeiten, die uns im Alltag zur Verfügung stehen.

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