Text: Martin Pechal
08.04.2009
Hallenbad mit Ausweis
Im Zuge des Energie-Einspar-Contractings wurde von Sommer 2008 bis Jänner 2009 die komplette Haustechnik und die Saunalandschaft erneuert. Weiters konnten die Fenster und die Fassade saniert werden. Die Schwimmhalle ist bereits seit dem 13. Jänner wieder in Betrieb, seit 17. Februar steht die neue Sauna wieder allen Badegästen zur Verfügung. Der Energieeinsparvertrag mit der Siemens Building Technologies und der Magistratsabteilung 44 als Betreiber hat eine Laufzeit von ca. 15 Jahren und garantiert Einsparungen von rund 596.000 Euro jährlich an Energie- und Wasserkosten bei einer Gesamtprojektsumme von rund neun Millionen Euro (davon rund 5,2 Millionen Euro Investitionssumme), die vom Contractor aufgebracht und aus den Einsparungen finanziert wird.
Durch das Projekt werden Einsparungen von 52 Prozent beim Wärme- und 76 Prozent beim Wasserverbrauch erzielt und die Umwelt jährlich um rund 457 Tonnen CO2 entlastet.
Energie-Einspar-Contracting ist eine Form des PPP, bei der vom Auftraggeber gemeinsam mit dem Contractor Energie- bzw. Wassersparmaßnahmen erarbeitet werden, die dann vom Contractor errichtet und finanziert werden. Die Bezahlung des Contractors erfolgt ausschließlich erfolgsorientiert in Höhe der eingesparten Energie- und Wasserkosten.
Die Projektsumme dieser Energie-Einspar-Contracting-Projekte der MA 44 (Bäder) beträgt rund 26,6 Mio. Euro, die garantierten Einsparungen betragen 2,82 Millionen Euro pro Jahr, jeweils ohne Umsatzsteuer. Die rechnerische Nutzungsdauer der eingebauten Komponenten liegt bei rund 20 Jahren, die Amortisationszeit bei circa 9,5 Jahren. Insgesamt werden rund 18.300 MWh Fernwärme, 2.360 MWh Erdgas und 600.000 Kubikmeter Wasser beziehungsweise Abwasser bei einem durch den Einbau von elektromotorisch betriebenen Wärmepumpen verursachten Mehraufwand von 273 MWh el. Strom pro Jahr eingespart. Die Energieeinsparung bewirkt eine Minderung des CO2-Ausstoßes von rund 3.089 Tonnen pro Jahr.
Im Zuge dieser Energiesparprojekte wurden unter anderen Solaranlagen und Wärmepumpen errichtet, Heizungs- und Lüftungsanlagen optimiert, Wärmerückgewinnungsanlagen installiert, Regelungsanlagen und Pumpen erneuert sowie zuletzt in sieben Bädern eine komplett neue und in Österreich erstmalig eingesetzte Filtertechnik für das Badewasser installiert, wodurch eine Halbierung des Wasserverbrauches und, da das Beckenwasser erwärmt werden muss, ein entsprechender Rückgang des Wärmebedarfes erwartet und vom Contractor garantiert wird. Weiters wurde in jedem der Bäder eine Leittechnik installiert. Dadurch ist es beispielsweise auch möglich, in der Zentrale der MA 44 jederzeit in die Betriebsparameter (zum Beispiel Beckenwassertemperatur, Luftqualität, Betrieb der Solaranlage usw.) der Bäder Einsicht zu nehmen.
In den Sommerbädern Laaerbergbad, Simmering, Brigittenau, Döbling wird verbrauchtes Beckenwasser, das sonst in den Kanal geleitet werden müsste, nochmals aufbereitet. Es wird zunächst die Wärme rückgewonnen, danach wird das Wasser über eine spezielle Aktivkohlefilteranlage geleitet, in der Chlor und organische Substanzen entfernt werden, und für die Bewässerung verwendet. Das Theresienbad wird bis zur Sommersaison 2009 als nächstes Bad ebenfalls dafür umgerüstet.
Nachdem bereits 2007 das Energie-Einspar-Contracting-Projekt Hallenbad Brigittenau von der European Energy Service Initiative als „Best European Energy Service Project“ 2007 ausgezeichnet wurde, erhielt die Magistratsabteilung 44 im April 2008 die zweite europäische Auszeichnung:
Für das Energiesparprojekt Hallenbad Floridsdorf gewann die MA 44 den GreenBuilding Partner Award 2008 der Europäischen Kommission. Das europäische GreenBuilding-Programm ist eine geförderte Umweltschutzinitiative zur Reduktion des Energieverbrauchs in öffentlichen und privaten Dienstleistungsgebäuden. Gemäß der umzusetzenden EU-Richtlinie wird bei allen neuen Gebäuden sowie bei umfassender Sanierung, Zu- und auch bei Umbauten ein Energieausweis benötigt. Das Theresienbad wurde als erstes Bad im Zuge der Sanierungsmaßnahmen bereits mit dem Energieausweis ausgestattet.
Die im Jahr 1965 gemeinsam mit dem Hallenbad errichtete Saunaanlage wurde im Zuge der Sanierung der gesamten Haustechnik komplett erneuert. In siebenmonatiger Bauzeit blieb kein Stein auf dem anderen. Beide Saunabereiche wurden vollständig abgetragen, teilweise räumlich umgestaltet und neu ausgestattet. Den Badegästen steht auch hinkünftig ein getrennter Bereich für Damen und Herren zur Verfügung. Das Angebot besteht in beiden Abteilungen aus finnischer Sauna, Biosauna, Dampfkammer, Kaltbecken und Warmbecken sowie den üblichen Erholungs-, Sanitär- und Umkleidebereichen.
aus: GebäudeInstallation 4/09, S. 42f.

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