07.09.2009
Ungebremste Dynamik
Text: DI. Dr. Udalfried Krames
Dessen positive Entwicklung ist ein Hinweis für den potenziellen Interessenten. Seit dem Beginn der 2000er-Jahre nahm die Zahl der jährlich installierten Wärmepumpenanlagen in Österreich zu, wobei dieser Anstieg mit den Jahren trotz oder eben gerade wegen der sich nach und nach zuspitzenden Wirtschaftskrise zunehmend steiler wurde, bis zum bisherigen Rekord des Jahres 2008. Über die weitere Entwicklung des Inlandmarktes kann noch nichts gesagt Âwerden.
Etwa gleichzeitig mit dieser Entwicklung nahm der Marktanteil der Heizungswärmepumpen deutlich zu. Die konkreten Verkaufszahlen von Wärmepumpen (insgesamt, alle Einsatzbereiche) in den Jahren 2006, 2007 und 2008 seien wiedergegeben. 2006 wurden 13.259 Stück verkauft, 2007 bereits 15.241 Stück, was einer Steigerung von +Â14,9 Prozent entspricht, und 2008 18.690 Stück bzw. um +Â23,4 Prozent mehr als 2007.
2008 wurden 12.623 Heizungswärmepumpen (alle Leistungsklassen, exkl. Wohnraumlüftung) bzw. +Â21,4 Prozent mehr als im Jahr 2007 installiert.
Die analogen Zahlen von Brauchwasser-Wärmepumpen sind 5.579 Stück bzw. + 30,8 Prozent.
Für den Bereich der Schwimmbadentfeuchtung liegen von 2008 keine Meldungen vor, sodass über die Entwicklung in diesem Bereich keine Aussage gemacht werden kann. (2007 wurden 93 Stück verkauft.)
Die Verkaufszahl von Wärmepumpen im Bereich der kontrollierten Wohnraumlüftung betrug 488 im Jahr 2008 und blieb damit gegenüber 2007 (486 Stück) praktisch konstant. Der Anstieg der Verkaufszahlen von Heizungswärmepumpen im Jahr 2008 war der Leistungsklasse bis 20 kW, also dem privaten Wohnbereich, zu verdanken.
Die Quellen der Gratiswärme. Die 2007 und 2008 angeschafften Heizungswärmepumpen verteilten sich auf die Wärmequellen, wie in nebenstehender Tabelle gezeigt wird. Die historische Entwicklung der Inlandsmarktanteile der Wärmequellensysteme hatte eine starke Dynamik.
War bei auf Erdreich gestützten Wärmepumpen in den 1990er-Jahren die Direktverdampfung vorherrschend, so werden in den 2000er-Jahren Sole/Wasser-Systeme stark bevorzugt. Die auf Erdreich gestützten Wärmepumpen bleiben insgesamt führend. Zahlen über die Verteilung auf Flach-, Spiral- und Künettenkollektoren sowie Tiefensonden sind hier nicht verfügbar und wurden wahrscheinlich auch nirgendwo erhoben.
Auffallend ist die in den letzten Jahren stark steigende Beliebtheit der Luft/Wasser-Wärmepumpen, sodass die 2008 verkauften bereits einen Marktanteil von 30,9 Prozent erreichten. Die beschriebenen Entwicklungstrends sind selbst in den Unterschieden zwischen 2007 und 2008 erkennbar.
Die hohe und offensichtlich steigende Akzeptanz der Luft/Wasser-Wärmepumpe dürfte daher kommen, dass dieser Wärmepumpentyp in der Anschaffung am billigsten und bei der Installation am unkompliziertesten ist. Dafür wird die im Vergleich mit auf Erdreich oder Grundwasser gestützten Wärmepumpen niedrigere Jahresarbeitszahl (JAZ) in Kauf genommen.
Der Antrieb der Wärmepumpe. Das meistverbreitete System ist die Kompressionswärmepumpe, und diese wird nahezu ausnahmslos elektrisch angetrieben. Die von der Wärmepumpe gelieferte Nutzwärmeenergie setzt sich aus der kostenlosen, regenerativen Umweltwärme und der eingesetzten Antriebsenergie zusammen. Bei einer Jahresarbeitszahl (JAZ) zum Beispiel von 4 ist das Verhältnis also 75 Prozent Umweltenergie zu 25 Prozent elektrischer Energie. Aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht lohnt es sich, die Stromversorgung der Wärmepumpe unter die Lupe zu nehmen.
Viele (nicht alle!) Stromversorger bieten für Wärmepumpen in bestimmten Zeitblöcken (wenn die Kraftwerke ohnehin schlecht ausgelastet sind) billigere Stromtarife an. Die Sperrzeiten werden mittels Pufferspeicher überbrückt. Nicht nur deshalb sollte ein Pufferspeicher vorhanden sein, sondern auch zum Leistungsmanagement der Anlage. Der Pufferspeicher erlaubt seltenere Schaltspiele, wodurch die Wärmepumpe geschont wird.
Eine feine Sache sowohl vom Standpunkt der Senkung der Betriebskosten als auch dem der Ökologie ist die Kombination der Wärmepumpe mit einer thermischen Solaranlage, analog der Kombination eines Kessels mit einer Solaranlage. In der Praxis deckt eine solare Heizungsunterstützung meist etwa ein Drittel bis die Hälfte der Jahresheizenergie ab und senkt dementsprechend den Stromverbrauch der Wärmepumpe.
Die Solarenergie kann ebenso durch fotovoltaische Stromversorgung der Wärmepumpe genutzt werden. Im Fall von PV-Modulen ohne Netzkoppelung (Insellösung) überbrückt der Pufferspeicher die Zeiten ohne oder mit ungenügender Einstrahlung. Der Pufferspeicher muss allerdings eine größere Kapazität haben, etwa wie bei solarthermischen Anlagen. Im Notfall kann auf Netzbetrieb umgeschaltet werden. Eine andere Möglichkeit bei der Insellösung ist die Stromspeicherung mit Akkumulatoren, dafür ohne thermischen Pufferspeicher. Diese Lösung ist aber teurer.
Die Stromversorgung mit PV ohne Netzkoppelung hat für den Betreiber die Vorteile des Betriebes zum Nulltarif und der Unabhängigkeit. Die Wärmepumpe kann ebenso mit netzgekoppelten PV-Modulen versorgt werden. In diesem Fall fungiert das Netz als Stromspeicher. Der Solarstrom wird ins Netz eingespeist, umgekehrt wird der Strom für die Wärmepumpe rund um die Uhr aus dem Netz bezogen. Diese Lösung ist kostenmäßig aber noch in Schwebe, weil das neue österreichische Ökostrom-Gesetz noch in Brüssel liege und außerdem erst genau analysiert werden müsse.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Förderbestimmungen für Wärmepumpen in den Bundesländern OberÂösterreich, Salzburg und Wien heuer geändert wurden. In der Steiermark sind Änderungen zumindest in Vorbereitung.
Die in Wien seit 1.Â1.Â2009 geltenden Förderrichtlinien für Ein- und Zweifamilienhäuser und Kleingartenhäuser besagen: Der Einbau einer thermischen Solaranlage ist bei allen Heizkesseln in Neubau und Sanierung eine verpflichtende Fördervoraussetzung, außer es ist lagebedingt nicht möglich oder wirtschaftlich wegen zu geringer Sonneneinstrahlung nicht zumutbar (über Ausnahmen entscheidet die MA 25). Bei Wärmepumpen entfällt die Verpflichtung für eine thermische Solaranlage, wenn eine Fotovoltaikanlage errichtet wird, welche den Strombedarf der Wärmepumpe deckt.
Nach der per 1.ÂMaiÂ2009 im Land Salzburg geltenden neuen Wohnbauförderung werden Wärmepumpen gefördert, wenn sie in Gebäuden mit bestimmten Dämmwerten eingebaut und mit Ökostrom angetrieben werden. Die Basisfinanzierung beträgt 300 Euro, dazu gibt es umfassende Zusatzpunkte, sodass Förderungen bis zu 2.000 Euro durchaus realistisch sind. Eine gleichzeitig mit einer Wärmepumpe angeschaffte Fotovoltaik-Anlage wird mit bis zu 4.000 Euro gefördert.
In Oberösterreich tritt die neue Eigenheimförderung per 1. Juli 2009 in Kraft. Demnach werden elektrisch betriebene Heizungswärmepumpen mit einer JAZ von 4 bzw. von 3,5 bei Luft Wärmepumpen gefördert, wenn die Wärmepumpe nachweislich zumindest in den ersten drei Jahren mit Strom betrieben wird, der zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern stammt oder die Wärmepumpe mit einer thermischen Solaranlage mit mindestens 4 m2 Aperturfläche zur Warmwasserbereitung kombiniert oder mit einer netzgekoppelten FotovoltaikÂanlage mit mindestens 1 kWpeak verbunden wird. (Für Insel-PV gibt es auch Förderungen).

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