Kommentar
15.11.2009
Sicherheit der Gasversorgung
Erdgas ist in der EU mit 25,5 Prozent der zweitstärkste Primärenergieversorger – nach Rohöl (40,7 Prozent), aber deutlich vor der Kohle (17,4 Prozent). Aufgrund der stark rückläufigen Gasproduktion wird die Abhängigkeit von Gasimporten steigen. 62 Prozent des derzeitigen Gaskonsums innerhalb der EU müssen bereits importiert werden. Wie stark dieser Wert ansteigen wird, hängt davon ab, wie stark Gas als Energieträger in den nächsten 20 Jahren nachgefragt werden wird. Dies wiederum hängt vor allem mit der Preisentwicklung auf dem Energiemarkt, der Steigerung der Energieeffizienz, der stärkeren Nutzung alternativer Energieträger, vor allem aber von klimapolitischen Entscheidungen ab. Die wichtigsten Gashandelspartner der EU sind Russland, Norwegen und Algerien. Der Gasmarkt der EU wird derzeit überwiegend durch Pipelines versorgt. Der Anteil von Flüssiggas (LNG) steigt zwar an, ist aber noch immer relativ niedrig. Durch die stärkere Nutzung von LNG aber kann die Diversität der Gaslieferländer erhöht werden.
Zentrales Element zur Erhöhung der Gasversorgungssicherheit der EU ist die Diversifizierung der Lieferländer, aber auch die Diversifizierung der Versorgungsleitungen zu bestehenden Lieferanten (wie die North-Stream-Leitung nach RussÂland). Strategische Leitungen werden für den südlichen Gaskorridor geplant: Nabucco, Trans Adriatic Pipeline (TAP), ITGI Gas Pipeline u. a. Die Versorgerländer für den südlichen Gaskorridor sind zwar identifiziert – der Mittlere Osten und das Kaspische Becken –, aber noch nicht vertraglich angebunden. Dazu kommt die starke Rivalität zwischen den beiden Projekten Nabucco und der russischen South-Stream-Leitung.
Nachfragemanagement.
Die bisherigen Episoden bei den temporären Unterbrechungen der ausländischen Gaslieferungen lösten Aktivitäten zur Erhöhung der Versorgungssicherheit aus, die sich auf das Angebotsmanagement konzentrierten. Die wichtigsten Gestaltungselemente dabei sind die Diversifizierung der Lieferländer und der Transportsysteme sowie der Ausbau der inländischen Speicherung.
In Österreich nicht zur Diskussion gestanden sind Maßnahmen des Nachfragemanagements, die mindestens ebenso entscheidend die Versorgungssicherheit jener Energiedienstleistungen betreffen, für die bisher Gas Verwendung fand.
Gestaltungsmöglichkeiten des Nachfragemanagements.
Grundsätzlich stehen für die nachfrageseitige Erhöhung der Versorgungssicherheit alle Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung, die zu einer Erhöhung der Produktivität des besonders wertvollen Energieträgers Gas führen:
Das bedeutet die Rücknahme von Gas aus den einfachen Technologien für die Niedertemperaturbereitstellung und der grundsätzliche Übergang zu hocheffizienten Transformationstechnologien zur kombinierten Erzeugung von Wärme und Elektrizität in Cogeneration-Anlagen. Die Größe der Anlagen wäre nach dem Wärmebedarf zu dimensionieren.
Das bedeutet aber auch die Reduktion des Bedarfs an Niedertemperaturwärme durch eine massive Erhöhung der thermischen Qualität von Gebäuden und die Verbesserung der Effizienz von Gas in allen Anwendungen in den Produktionsprozessen.
Bei der Erstellung der österreichischen Energiestrategie wäre dem Nachfragemanagement des in vieler Hinsicht besonders sensitiven Energieträgers Gas deshalb ein besonderes Gewicht zu verleihen. Gemeinsam mit den in diesem Bereich tätigen Unternehmen wären Strategien auszuarbeiten, die einerseits mit den von der EU für 2020 vorgegebenen Emissionszielen kompatibel sind und andererseits in Österreich Impulse setzen, wie Gas wesentlich produktiver verwendet werden kann.
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