Internationales Symposium
15.11.2009
Trends und Lösungen
Text: Martin Pechal
Auch hier kam man am Thema „Wirtschaftskrise“ nicht vorbei. Gleich der erste Beitrag „Sanierung oder Abbruch“ von Prof. Stefan P. Schleicher befasste sich mit Chancen für eine zukunftsfähige Wirtschaft. Es hätte einige Zeit zur Einsicht gebraucht, dass die gegenwärtige Wirtschaftskrise mehr ist als ein konjunkturelles Tal. Diese Einsicht träfe die Profession der Ökonomen, denen zu Recht der Vorwurf zu machen sei, dass sie nicht rechtzeitig Warnsignale ausgeschickt haben, so Schleicher. Zentrale Indikatoren, mit denen wir gewohnt sind, den Zustand von wirtschaftlichen Aktivitäten zu beurteilen, hätten ihr Ablaufdatum erreicht. Sanierung oder Abbruch werde deshalb als Metapher für Entscheidungen in einer viel größeren Dimension zu verstehen sein, als wir sie üblicherweise nur mit Gebäuden verbinden. Die fundamentalen Fragen, denen sich jede Wirtschaft zu stellen habe, werden neu zu stellen sein: Wie, wodurch und für wen soll Wohlstand entstehen? Viele der dafür schnell gegebenen Antworten würden sich als verschrottungsreif erweisen. Unter den neu überlegten Antworten werde aber eine besondere Rolle den Gebäuden zukommen: Sie seien Fundamente für die Schaffung und Erfahrung von Wohlstand. Für Gebäude gelte im Besonderen, was für die Wirtschaft in der Krise generell gilt: Sie seien zu sanieren oder abzureißen und wieder aufzubauen.
Die Spitze von E5. Bürgermeister Rainer Siegele ging anschließend genauer auf die Entwicklung der Gemeinde Mäder ein. 1972 wurde ein Flurgehölzbepflanzungsplan erarbeitet. Der Richtplan sah vor, ca. 80.000 Bäume und Sträucher auf rund 15 Kilometer Länge zu pflanzen. Insgesamt wurden mehr als 70.000 Bäume und Sträucher gepflanzt. Als Abrundung wurde zum Zehnjahresjubiläum ein Grünordnungsplan erstellt. Durch die starke Bevölkerungszunahme haben die Gemeindeverantwortlichen beschlossen, im Jahr 1992 eine Gemeindeentwicklungsplanung (Lokale Agenda 21) durchzuführen. Mit dem Ziel „Mäder soll Dorf bleiben“ wurde festgelegt, dass Mäder Raum für vielfältige Nutzungsansprüche bleiben soll, das Ziel „Mäder soll UmweltmusterÂgemeinde werden“ leitete zusätzlich eine Vielzahl ökologischer Maßnahmen ein.
Die nachhaltige Nutzung des Alpenraumes verpflichtet zur Erhaltung des natürlichen Kapitals. Sie erfordert, dass der Verbrauch erneuerbarer Ressourcen (Rohstoffe, Wasser, Energie) nicht schneller erfolgt, als sie durch dauerhafte erneuerbare Ressourcen ersetzt werden können. Nachhaltige Nutzung verlangt auch die Reduktion von Schadstoffemissionen auf mindestens jenes Maß, dass Luft, Wasser und Boden noch binden und abbauen können. Dazu führt das Gemeindenetzwerk ein von einer privaten Stiftung mit 1.200.000 Euro gefördertes Projekt durch. Im Rahmen des e5-Programms der EU hat die Gemeinde weiters eine Reihe energiepolitischer Zeichen gesetzt. Ing. Christian Indinger ging in seinem nachfolgenden Vortrag auf die Sanierung der Volksschule Rif, Stadtgemeinde Hallein, ein.
Nahwärme. Zum Thema „Biomassenahwärme“ stellte der Bürgermeister der Gemeinde Virgen, Ing. Dietmar Ruggenthaler, konkrete Beispiele vor. Die Gemeinde ist seit Beginn der Neunzigerjahre im Klima-, Energie-, Verkehrs- und Umweltbereich bewusst aktiv. 1995 arbeitete sie aktiv am Programm „Energiebewusste Gemeinde in der Arge Alp“ mit, 1999 war sie bei den ersten vier Tiroler Gemeinden im e5-Landesprogramm für energieeffiziente Gemeinden und ist seither Vorbild und Vorreiterin im Tiroler e5-Programm. Dies schlug sich auch in einer kontinuierlichen Steigerung des Umsetzungsgrades nieder (sowohl im Gesamtumsetzungsgrad als auch in den sechs e5- Teilbereichen). In einer Phase, in der die Tiroler e5-Betreuung in reduziertem Ausmaß erfolgte, erarbeitete sich die Gemeinde Virgen mit einem eigenen Berater ein breites Programm an Maßnahmen. Dieses setzte sie konsequent um und ereichte damit 2008 das fünfte „e“ des e5-Programms (Umsetzungsgrad größer 75 Prozent). Virgen war die erste Gemeinde außerhalb Vorarlbergs, welche mit 5 x „e“ ausgezeichnet wurde.
Als Energiegemeinde stand außer Frage, dass alle gemeindeeigenen Gebäude früher oder später auf erneuerbare Energieträger bei der Raumbeheizung umgestellt werden sollten. Daher fiel die Entscheidung auf die Errichtung eines Nahwärmenetzes mit Hackschnitzeln als Energiequelle, wofür die „Regionalenergie Osttirol“ als Betreiberin gewonnen wurde. Als konkretes Beispiel führte der Bürgermeister die Schule des Ortes an, die zusätzlich zum Ausbau mit Fotovoltaikanlage und Raumlüftung ausgestattet wurde. Am Ausbau des Nahwärmenetzwerkes wird kontinuierlich weitergearbeitet.
Informationsflut. Diese drei stellvertretenden Referate repräsentieren die große Menge an detaillierten Informationen die das zahlreich angereiste Publikum in drei Tagen zu hören bekam. Auch nur die Themen aufzuzählen würde hier leider den Rahmen sprengen. Es sei aber jedem Interessierten ans Herz gelegt, sich für die nächste Veranstaltung anzumelden, um sich von innovativen Ideen inspirieren zu lassen.

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