Internationale Ökoenergie-Konferenz
22.12.2009
Der Worte sind genug gewechselt...
Text: Christine Müller

Die Organisatoren der Internationalen Ökoenergie-Konferenz – der Österreichische Biomasse-Verband, die Südtiroler Landesregierung, der Südtiroler Gemeindeverband, die Marktgemeinde Sand in Taufers, der Südtiroler Biomasseverband und die Europäische Arge Landentwicklung und Dorferneuerung – waren sich in einem Punkt einig: Die Nutzung fossiler Energie gehört der Vergangenheit an. So wird etwa in Südtirol bereits heute mit Wasserkraft, Biomasse, Biogas, Solarenergie und Geothermie mehr als 51 Prozent der für Strom und Energie benötigten Energie erzeugt. „Bis 2020 haben wir uns die 75-Prozent-Marke zum Ziel gesetzt“, führte Dr. Michl Laimer, Landesrat für Energie in seinem Beitrag weiter aus. „Die Devise heißt, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen nach und nach zu reduzieren und durch erneuerbare Energieträger zu ersetzen.“
Besonders wichtig sei es aber, den Menschen zu vermitteln, dass Klimaschutz nicht nur eine Notwendigkeit darstellt, sondern eine spannende Einladung zu größerer Lebensqualität bedeutet, zu sauberer Energieversorgung und Effizienzsteigerung, die ein besseres Leben garantiert und dies mit weniger Geldmitteln. Dies sei laut Laimer nicht als Pflichtprogramm zu sehen, sondern ganz im Gegenteil als positive Herausforderung an die Zukunft, in der es keinen Wirtschaftsbetrieb mehr geben dürfe, der die Umwelt zusätzlich belastet. In Südtirol wird bereits seit längerem gehandelt: Der elektrische Strom (35 Prozent des gesamten Energiebedarfs) stammt zu 100 Prozent aus heimischen Wasserkraftwerken. Nicht nur über die Zahl der Biomasseheizwerke kann sich Landesrat Laimer freuen: „Vor kurzem haben wir das 61. Biomasse-Fernheizwerk Südtirols eröffnet.“ – Denn derzeit werden 16 Prozent der Energie im Strom- und Wärmebereich mit nachwachsenden Rohstoffen wie Biomasse, Biogas, Solarenergie, Wind und Geothermie erzeugt. Tendenz steigend!

Der Südtiroler Landesrat für Raumordnung, Umwelt, Wasser und Energie Michl Laimer
Auch hat die thermische Solarenergiegewinnung in Südtirol eine starke Zunahme zu verzeichnen. Die installierte Kollektorenfläche betrug Ende 2007 insgesamt 180.000 m2, womit jährlich zirka 102 Millionen kWh an thermischer Solarenergie erzeugt werden. Nicht zuletzt befindet sich somit ein Drittel der gesamten Sonnekollektorenfläche Italiens auf den Dächern Südtiroler Häuser. Und last, but not least hat der seit 2005 gesetzlich vorgeschriebene KlimaHaus-Standard (das Äquivalent des österreichischen Passivhauses) ein massives Einsparungspotenzial bei Neubauten und Altbestand bewirkt.
Nicht ohne eine gewisse Wehmut nahm Prof. Ernst Scheiber, Geschäftsführer des österreichischen Biomasseverbandes, den Südtiroler Stand der Dinge zur Kenntnis, denn „während man in Österreich diskutiert und die alternative Energieproduktion zugrunde novelliert, wird bei unseren Nachbarn gehandelt. 44 Prozent des Endenergieverbrauchs stammen in Südtirol aus erneuerbaren Quellen.“ Der perfekt gewählte Veranstaltungsort Sand in Taufers – 2008 mit dem internationalen Dorferneuerungspreis ausgezeichnet – bietet einen geradezu musterhaften alternativen Energie-Mix und verfolgt außerdem auch noch ein umfassendes Programm zur Energieeinsparung und -effizienz ebenso wie zur klimaschonenden Mobilität.

Auf dem Podium folgten den Vorträgen angeregte Diskussionen (v. l.): Valter Francescato (AIEL, Padua), Matteo Zandonai (Syneco GmbH, Bozen), Franz Kirchmeyr (Arge Kompost & Biogas Österreich), Karl Mayer (Landwirtschaftskammer Steiermark), Bruno Della Vedova (Universität Triest), Christoph von Pföstl (Agnion Technologies GmbH) und Herta Hornmarcher (Smart Energy Eco Solution GmbH, Wien).
Gemäß den von der Europäischen Gemeinschaft mit dem Energie- und Klimapakt 20-20-20 angestrebten Vorgaben, die bis zum Jahr 2020 eine bedeutende Reduktion der Treibhausgase vorsehen, muss Österreich seine Emissionen im sogenannten „Nicht-ETS-Bereich“ (ETS – emission trading system) gegenüber 2005 um 16 Prozent senken, und gleichzeitig den Anteil von erneuerbaren Energien um mindestens 34 Prozent erhöhen. Ein nationaler Aktionsplan für erneuerbare Energien muss bis Juni 2010 von allen Mitgliedsländern der EU erstellt werden, in dem in einer detaillierten Auflistung die zu erzielenden Anteile in den Bereichen Wärme, Elektrizität und Verkehr bis 2020 aufgeführt sind. Um jedoch sichtbare Zeichen des bereits ausgelösten Klimawandels in den Griff zu bekommen und den Temperaturanstieg auf zwei Prozent zu senken, müssten die Emissionen bis 2050 um 80 (!) Prozent reduziert werden. Eine eher düstere Vorhersage, scheint es doch nur durch drastische Änderungen und Einsparungen möglich, zumindest in die Nähe dieser Zahl zu gelangen. Möglichkeiten dazu sind jedenfalls gegeben. Dr. Werner Zittel von der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik GmbH etwa stellte in seinem Beitrag fünf Thesen zu einer zukünftigen Energieversorgung vor:
Einen wichtigen Faktor stellt die Energieeffizienz unter Berücksichtigung des großen Potenzials der erneuerbaren Energien dar, es sei hierbei aber auch wichtig, den Energieverbrauch zu senken. Die Energiezukunft würde vom Strom etwa durch Fotovoltaik dominiert. Biomasse, die bereits heute zwei Drittel des Auskommens an erneuerbarer Energie deckt, sei keine Lösung für den Verkehr, der in Zukunft stromabhängig sei, sodass die Fahrzeuge mit Sicherheit anders aussehen würden. Die Welt hat ihr Ölfördermaximum erreicht, einzige Zukunftschance sei laut Zittel ein nachhaltiger Lebensstil.

Zahlreich waren die internationalen Zuhörer zur ÖkoÂenergie-Konferenz in die Vorzeigegemeinde Sand in Taufers angereist, hier bei Valter Francescatos Vortrag zu den Biomassehöfen als Erfolgsgaranten.
Dass nachhaltige Energieversorgung zuÂmindest im ländlichen Raum bestens funktioniert, zeigten auch Best-Pratice-Beispiele etwa aus der burgenländischen Gemeinde Güssing die Errichtung des Europäischen Zentrums für erneuerbare Energie, aus der Luxemburger Stadt Beckerich oder dem Bayerischen Ascha, dass Energieautarkie bereits durchaus weitgehend machbar ist. Nachahmer sind jedenfalls gefragter denn je.
Eines steht jedoch nach der dreitägigen Ökoenergie-Konferenz von Sand in Taufers „Energiewende now!“ fest: Nicht nur Österreich kann in Sachen erneuerbare Energien von Südtirol einiges lernen.

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