Klima-Hotel
23.12.2009
Manifest nachhaltigen Bauens
Text: Christine Müller

Im Rahmen der Hotel 09, der 33. internationalen Fachmesse für das Hotel- und Gastgewerbe, die in Bozen von 19. bis 22. Oktober stattfand, wurde das erste Hotelprojekt mit Klima-Hotel-Zertifizierung vorgestellt. Nach dem Vorbild des in Südtirol bereits 2002 entwickelten Klima-Haus-Projektes (der österreichische Passivhausstandard) soll das Qualitätssiegel Klima-Hotel garantieren, dass auch beim Bau eines Hotels im Sinne energieeffizienten und nachhaltigen Bauens gewisse Kriterien und Vorgaben eingehalten werden. Dieser „Regelkatalog“ soll zukünftig das Qualitätsmanagement untermauern und die Rentabilität auf einem so wichtigen Wirtschaftssektor wie dem Tourismus verbessern helfen.
Die baulichen Strukturen der Hotelkolosse als „Urlaubsfabriken“ spiegelten seit dem Entstehen des Massentourismus um 1970 vor allem aber in den Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts die in Zeiten ökonomischer Prosperität eskalierenden Bedürfnisse der sogenannten Spaßgesellschaft wider. Nach und nach ist ein gewisser Wertewandel und ein neues ökologisches Bewusstsein zu bemerken. „Nun könnte allerdings der Zeitpunkt für eine tatsächliche Wende gekommen sein“, meint Trendforscherin Felicitas Romeiß-Stracke. Folgt man ihren Ausführungen, so scheint mit der „Sinngesellschaft“ des 21. Jahrhunderts im Tourismussektor mehr Lebensqualität gefragt. Nach 2002, dem Jahr des Ökotourismus, wuchsen die Wünsche nach mehr Spiritualität ebenso wie der Anspruch nach sinnvollen Erfahrungen und individueller Aufmerksamkeit. Hotelarchitektur ist im Wandel begriffen, sie wird vermehrt zum Erfahrungsraum. Abseits des bisher gebotenen Formenspektakels gewinnt die ökologische Verträglichkeit ebenso wie die Berücksichtigung städtebaulicher Konzepte anstelle von „autistischen Gebäuden“ langsam an Bedeutung.

Quellwasser zur Nutzung mittels Wärmepumpe
Gütesiegel für nachhaltige Hotels. Ein zertifiziertes Gebäude im Klima-Haus-Standard zeichnet sich durch geringe Energiekosten wie auch durch höheren Wohnkomfort aus und leistet gleichzeitig einen aktiven Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz. Das Klima-Haus konnte unter der Federführung der öffentlichen Hand das Bewusstsein für die Reduzierung von CO2-Emissionen im Gebäudesektor in weiten Teilen der Bevölkerung verankert werden. Unterschiedliche Effizienzklassen kennzeichnen den Heizenergiebedarf: unter 10 kWh/m2a Gold, unter 30 kWh/m2a Typ A und unter 50 kWh/m2a Typ B. Grundlegend für die Zertifizierung ist nicht nur die hohe Energieeffizienz der Gebäudehülle und -technik, sondern auch die Qualität der Ausführung. Im Zuge der energetischen Zertifizierung werden bauphysikalische Eigenschaften mithilfe von Bewertungstools berechnet, Materialnachweise erbracht und die Gesamtenergieeffizienz ermittelt. Jedes Projekt wird zudem während des Bauforschritts vor Ort periodisch kontrolliert; nach einer abschließenden Kontrolle wird der Energieausweis ausgestellt.

Decken- und Wandaufbau für vermehrte Energieeffizienz
Den authentischen Charakter des Gebäudes und seine Verwurzelung in der Lokalökonomie sichert die Verwendung ortstypischer Materialien wie Naturstein oder Lärchenholz aus Trafoi oder Laser Marmor aus der unmittelbaren Umgebung. Da der Bausektor als einer der größten Abfallproduzenten gilt, sollen im Bella Vista Hotel durchdachte konstruktive und planerische Lösungen Sandwichkonstruktionen vermeiden und eine kostenreduzierte Demontage oder Recycling ebenso ermöglichen wie geringe Auswirkungen auf die Umwelt garantieren. Hans Glauber, Begründer des Ökoinstituts Südtirol und der Toblacher Thesen von 1988, sah die Grundlage zukünftiger Konzepte vor allem im nachhaltigen Bauen, Bauen mit der Natur – Bauen in der Kultur. Die möglichst energieeffiziente Verwendung erneuerbarer Energien wie etwa lokaler Baustoffe sind elementare Bausteine der Nachhaltigkeit und Ausdruck ökonomischer Vernunft. Ganz im Sinne des verantwortungsethischen Grundsatzes („Ökologischer Imperativ“) des Philosophen Hans Jonas aus seinem Werk „Das Prinzip Verantwortung“ (1979) sollte letztlich jeder Einzelne zum Handeln ermutigt werden: „Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.“ Das Klima-Hotel-Konzept setzt hier jedenfalls ein wichtiges Zeichen.

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